Mittwoch, 19. September 2012

[Film Review] Resident Evil - Retribution


RESIDENT EVIL - RETRIBUTION 
„Mein Name ist … Alice…“ 

Die Zombie, Monster und Mutanten Bedrohung, ausgelöst von der Umbrella Cooperation nimmt kein Ende. Gerade als Alice glaubte, den Hintermann Albert Wesker besiegt und die letzten Menschen auf dem Schiff Arkadia gerettet zu haben, holt Umbrella unter dem Kommando von Alice ehemaliger Wegbegleiterin Jill Valentine zu nächsten Schlag aus. Mit Kampfhubschraubern greifen sie die Arkadia an.

      Dieser Übermacht kann selbst Alice nicht standhalten. Gefangen wird sie in Umbrellas geheime Schaltzentrale gebracht.
      Als sie dann in einem warmen Bett aufwacht und vom liebevollen Ehemann Carlos herzlich umsorgt wird, glaubt sie nur einen unglaublichen und schrecklichen Albtraum gehabt zu haben. Zusammen mit ihm und der gemeinsamen Tochter Becky genießt sie das Frühstück. Die Welt ist heil. Leider nur für einen Augenschlag. Zombies greifen ihre Familie an und plötzlich steht sie erneut in einem Inferno.

     Erneut wacht sie auf, diesmal in einer Zelle. Eine Stromschwankung hilft ihr zum Ausbruch. Als plötzlich die Chinesin Ada Wong auftaucht und ihr erzählt, dass nicht alles so ist, wie sie glaubt. Erstaunt muss Alice erfahren, das sie sich in einem gigantischen Umbrella Testlabor befindet, in dem sogar Teile von Großstädten aufgebaut wurden. Zusammen mit Ada kämpft sie sich durch die Straßen von Tokyo, nach New York und Washington, bis sie letztendlich in Moskow am Ziel ist. Je tiefer Alice in die Basis von Umbrella eindringt, desto mehr findet sie über sich heraus und muss erkennen, das die Dinge, die sie bisher erlebte und kannte, nicht so waren, wie sie es geglaubt hatte. 



Wahr oder Falsch? 

      Die Frage, ob Alices Abenteuer aus den vorhergegangenen Filmen real waren und sich wirklich so abgespielt haben, wie zu sehen, zieht sich als roter Faden durch Resident Evil: Retribution. Es ist die Findung von Alice zu sich selbst, sowie der Kampf gegen den skrupellosen Konzern Umbrella unter dem teuflischen Albert Wesker, welcher seine eigenen Spielchen mit Alice treibt.
      Der Film spielt auf mehren Ebenen, so kämpft sich Alice mit neuen Verbündeten darunter Leon S. Kennedy und Barry Burton tiefer ins Herz des Konzerns vor und versucht herauszufinden, warum ihre einstige Freundin Jill Valentine die Seiten gewechselt hat. Auf der anderen Seite kehren Freunde und Verbündete zurück, die eigentlich Tod sein müssten. Doch im Kampf gegen die Untoten und Umbrellas schrecklichen Kreaturen stehen sie erneut an ihrer Seite. Dazwischen steht die undurchsichtige Asiatin Ada Wong, welche zwar mit Alice kämpft, scheinbar aber auch eigene Ziele verfolgt.


Umsetzung

      Regisseur Paul W.S. Anderson und Ehemann von Milla Jovovich ließ es sich nicht nehmen erneut zu inszenieren und das Drehbuch zu schreiben. Wie zuvor ist die Figur von Alice der Dreh- und Angelpunkt, um die er die Elemente des Resident Evil Universums anordnet. Durch den Twist des Zweifelns was echt ist oder nicht, eröffnete sich ihm die Möglichkeit, beliebte Charaktere aus den vorherigen Filmen logisch zurückzubringen. Da wäre die Soldatin Rain, gespielt von Michelle Rodriguez, welche im ersten Teil von Resident Evil, zum Zombie und von Alice getötet wurde oder Colin Salmons als Spezialeinheitsanführer One, der den Lasertunnel nicht überlebte. Weiter gibt es ein Wiedersehen mit Oded Fehr als Carlos Olivera. Er, sprengte sich in Resident Evil: Extinction mit einem Tanklaster in die Luft. Für neue Reize sorgt nicht nur erneut Sienna Guillory als Jill Valentine. Guillory beeindruckte als taffe Polizistin und deutete mit ihrem kurzen Auftritt in Resident Evil: Afterlife bereits an, wie es weitergehen würde. Auch Bingbing Li als Ada Wong mit ihrem hoch geschlitzten roten Kleid, gehört neben Johann Urb und Kevin Durand, die Leon S. Kennedy und Barry Burton verkörpern, zum Cast. Alles Figuren des Computerspiels, wie auch Hauptgegner und Oberbösewicht Albert Wesker, in dessen Haut erneut Shawn Roberts schlüpft.

      Resident Evil: Afterlife bekam für die 3D Inszenierung sehr viel Lob und Anderson zeigte gerade in den Kämpfen wie gut diese in 3D aussehen konnten. Er verliebte sich regelrecht in dieses Medium. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass er erneut den Film damit umsetzte. Er selbst äußerte, dass es eine Herausforderung sei mit dieser Technik neue Erzählmöglichkeit zu finden, die den Zuschauer überraschen und tiefer ins Geschehen ziehen. Er selbst möchte sich dieser Herausforderung stellen.
      Dabei hilft ihm sehr die CG Technik, die die Welt um die Schauspieler herum, lebendig macht. Von Film zu Film werden die Computeranimationen besser. Oft ist es schwer zu sagen, was noch real ist. Weil die optimale Umgebung für die 3D Kameras ein Set umgebender Greenscreen ist, muss Anderson hier großes Vertrauen hineinlegen und die Ergebnisse können sich mehr als sehen lassen.




Vorlage

      Für Paul W.S. Anderson sind die Resident Evil Computerspiele ein gewaltiger Pool, aus dem er für seine Versionen schöpft. Dies erfreut zum einen, den Fan jener Reihe, die geliebten Charaktere, Monster und Elemente auf der Leinwand zu bewundern, zum anderen bringt es den Nichtkenner der Spiele an die Vorlage heran. Anderson sucht sogar die Nähe und übernimmt vieles eins zu eins. So trägt Leon S. Kennedy eine ähnliche Lederjacke und Ada Wong, das atemberaubende und Männerherzen höher schlagende rote Kleid aus dem Spiel Resident Evil 4. Bei Jill Valentine ist es nicht anders, sie sieht wie aus Resident Evil 5 genommen und hat im Film sogar einen Kampf mit Alice, der die gleiche Choreografie besitzt vom dortigen Zweikampf mit Chris Redfield. Vermutlich übernimmt Anderson auch die Auflösung, warum sich Jill gegen ihre Freunde gewendet hat. Die Spielcharaktere haben bei den Fans einen sehr hohen Stellenwert, der es sehr schwer macht, jenen bei einer eigenen Interpretation der Reihe gerecht zu werden, weshalb Paul W.S. Anderson von vielen kritisch beäugt wird. Hoch anzurechnen ist es, das in dem Anfangsfilmcredits sogar die Spielnamen zusammen mit den Darstellern hervorgehoben werden. Andererseits hat er gerade Designtechnisch mit den Filmen auch umgekehrt Einfluss genommen. Sei es der Lasertunnel aus dem ersten Film, der im vierten Spiel zu sehen war oder ein Nebencharakter aus Resident Evil: Extinction, welcher Vorbild für eine Figur aus Teil fünf war.

      Fast zeitlich mit Retribution erscheint der sechste Teil der Spielereihe, indem der neue C-Virus von Umbrella weltweit ausbricht, der nicht nur Zombies, sondern noch schlimmere Mutationen zur Folge hat. Um eine Eskalation zu verhindern müssen Chris, Leon und der Sohn Albert Weskers schnell Herr der Lage werden. Doch keiner ahnt, wie tief sie in der Verschwörung des wieder auferstandenen Umbrella Konzerns stecken. Eine Vorgeschichte hierzu ist im vierteiligen Manga Resident Evil: Marhawa Desire zu lesen (in Deutsch im Kaze Verlag / Siehe: [Manga Review] Resident Evil #1 - Marhawa Desire), wo mit dem T-Virus an einer Eliteuniversität experimentiert wird.
      Erfreulich ist ebenfalls, das Anderson nicht nur die Spiele, sondern ähnliche Genrefilme zitiert, wie zum Beispiel Zack Snyders Dawn of the Dead in den Szenen von Alice heiler Familienwelt.

Retribution

      Das Wort steht für Vergeltung, Rache, Strafe und ausgleichender Gerechtigkeit und bezieht sich auf den finalen Schlag von Alice gegen die Umbrella Cooperation. Dies bedeutet für den Zuschauer reichlich Action, coole Sprüche und spektakuläre Bilder. Wie schon die Vorgänger hat dieser nur eine oberflächliche Geschichte, auch der Gruselfaktor trotz Monster und Zombies hält sich gering. Für Anderson steht der Unterhaltungsfaktor an erster Stelle und der ist bereits in den Trailern zu sehen. Am spannendsten bleibt die Frage, was ist in Alice kleiner Horrorwelt noch real und wie klärt sich alles auf. Jedenfalls hat er es geschafft einen besseren Film als Afterlife zu inszenieren, auch wenn die anderen Charaktere stets die zweite Geige spielen nach Alice. Dies wirkt manchmal ein wenig zu selbstverliebt von Anderson. Technisch ist der Film herausragend. Nur das 3D erreicht nicht die Qualität vom Vorgänger, weil er sich zu sehr auf den "flieg in die Kamera" Effekt beschränkt. Im Gesamten bekommt der Zuschauer einen Non-Stop Action Film, mit Horror und Gruselmomenten, die nicht ganz wirken. Spielekenner werden auf jeden Fall ihre helle Freude haben sehr viele Details aus den Games zu sehen. Ein Highlight ist auch der Kettensägenzombie, dessen Auftritt schon längs überfällig war.

RESIDENT EVIL - RETRIBUTION
Regie, Drehbuch: Paul W.S. Anderson
Produktion: Paul W.S. Anderson, Jeremy Bolt,
Robert Kulzer, Don Carmody, Samuel Hadida
Kamera: Glen Mac Pherson - Productiondesign: Kevin Phipps
Schnitt: Niven Howie - Musik: Tomandandy
Darsteller: Milla Jovovich, Michelle Rodriguez, Sienna Guillory
Constantin / GER/USA 2012 / Länge: 94 Min.

Artikel in abgewandelter Form erstmals erschienen in: Nautilus - Abenteuer & Phantastik, www.fantasymagazin.de

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