Freitag, 15. Juni 2012

[Game Review] Game of Thrones


GAME OF THRONES
Kampf um Ruhm und Ehre

In die Welt von Das Lied von Eis und Feuer einzutauchen ist dank der Bücher, Comics und Fernsehserie jederzeit Möglich. Mit dem Computerspiel kann nun die Geschichte aktiv miterlebt werden.

     Der Spieler hat die Wahl zwischen Mors Westford, einem Grenzer der Nachtwache, und dem Mönch Alester Sarwyck. Mors ist der letzte Überlebende des Rittergeschlechts Westford, welches jahrhundertelang in den Diensten der Lennisters stand. In den letzten 15 Jahren hat sich Mors zu einem der besten Grenzer entwickelt und durch seinen aggressiven Kampfstil wurde ihm der Beiname „Der Schlächter“ zuteil. Feind und Verbündete fürchten und respektieren ihn gleichermaßen. Er ist barsch und direkt, aber ebenfalls ein erfahrener Stratege, der lieber Taten sprechen lässt, als sich auf sinnlose Diskussionen einzulassen. Mors ist ein Mann mit unterschwelligem Ehrgefühl und gleichzeitig bereit ist, sein Leben zu opfern. Neben dem Kämpfen besitzt er eine außergewöhnliche Fähigkeit. Er ist ein „Leibwechsler“. Ein Leibwechsler kann sich in den Körper anderer Lebewesen versetzen und so mit ihnen verschmelzen. Hilfreich ist hier Mors treuer Hund, in den er oft wechselt, um durch ihn Feinde auszuspionieren, Flüchtige aufzuspüren oder einen Gegner auszuschalten.
     Alester Sarwyck dagegen entschied vor 15 Jahren die Familie zu verlassen und der Priesterschaft von R’hllor als Roter Priester zu dienen. Obwohl er betucht leben hätte können, entschied er sich für seinen Gott und Glauben. Sein Vater ist Lord Raynald Sarwyck, Oberhaupt des Hauses Sarwyck und Lord von Flussrath. Die Sarwycks sind eine Adelsfamilie und Lehnsleute des Hauses Lennisters.
Mors Westford
      Alester zeichnet sich besonders durch eine ruhige, diplomatische und loyale Wesensart aus, er denkt, bevor er handelt. Rote Priester finden sich häufig in Freien Städten und sind auf Westeros wenig bekannt. Nur wenige wissen, das einige über besondere Kräfte und Fertigkeiten verfügen, so eben auch Alester. Er kann die Flammen seines Gottes beschwören und hierdurch versteckte Objekte oder Wege finden. Weiter kann er diese Flammen im Kampf auf Pfeile oder Schwerter anwenden, um ihnen mehr Kraft zu verleihen.
     Die Geschichte von Mors und Alester verläuft parallel zu den Ereignissen des ersten Buches (in Deutsch die Bände: Die Herren von Winterfell, Das Erbe von Winterfell), beziehungsweise der ersten TV-Staffel, als John Arryn, die Hand von König Robert Baratheon, in Königsmund tot aufgefunden wird.

     Der Spieler kann entscheiden, ob er Mors oder Alester spielt. Nach der Wahl des Schwierigkeitsgrades muss sich für eine Klasse entschieden werden. Bei Mors sind es diese: Magnar, ein gefürchteter Kämpfer der Waffen beidhändig führt; Lehnsritter, der eher Defensive agiert und Gegner gern verspottet; und Freier Ritter, welcher selbst gegen Gegnergruppen wegen seiner großen Kampfstärke keine Probleme hat.
      Alesters Klassen sind Wassertänzer, der in Kämpfen agiler ist; Söldner, ein hinterhältiger Mörder und Giftmischer; und Bogenschütze, wo er mit dem Bogen halt vermehrt kämpft. Zu diesen ausgewählten Klassen kommt bei dem jeweiligen Charakter noch seine Spezialfähigkeit hinzu. Jede Klasse hat ihren eigenen Verzeichnisbaum, wo mit errungenen Erfahrungspunkten neue Fertigkeiten erworben werden können.
Zusätzlich dazu muss der Spieler ähnlich alter Pen-and-Paper Rollenspielen Punkte in Bezug auf Vorzüge und Schwächen vergeben, was zum Beispiel Auswirkungen auf die Aufladung der Kampfkraft oder Heilung hat. All dies zeigt sich im Besonderen im Kampfmenü, das die Macher als Aktiv-Pause-System bezeichnen. Während des Kampfes sollte hinein gewechselt werden, um die eigenen Fertigkeiten und Fähigkeiten zu aktivieren, weiter kann Verbündeten Anweisungen gegeben oder auch ihre Charakterfähigkeiten eingesetzt werden. Während der Spieler im Menü ist, hält die Zeit nicht an, sondern wird verlangsamt. Dies erhält den Schwung der dynamischen Schlachten.
     Die Figuren werden in einer Third-Person Ansicht gesteuert, wodurch der Spieler die Möglichkeit hat Orte, wie die Schwarze Festung an der Mauer und deren schneebedeckte Wälder oder die Stadt Flussrath in den Westlanden zu ergründen. Selbst die Hauptstadt Königsmund kann besucht werden.

     Game of Thrones ist kein „Open-World“-Rollenspiel, da Hauptaugenmerk auf die Geschichtserzählung gelegt wird und dies nur möglich ist, wenn der Spieler einen vorgegeben Weg beschreitet. Die Areale sind dennoch keine reinen Schlauchlevel, auch wenn die Quests eine entsprechende Richtung vorgeben. Obwohl Mors und Alester getrennte Geschichten erleben, kreuzen sich ihre Wege irgendwann. Dies ist ein Grund für den Spieler Game of Thrones mit beiden Figuren zu spielen, um das gesamte Abenteuer kennenzulernen.

Der Rote Priester Alester Sarwyck
     Das Spiel aus den Cyanide Studios besticht nicht nur mit der HBO-Serienlizenz, sondern auch, das die Geschichte von Mors und Alester in Zusammenarbeit mit dem Buchautor George R.R. Martin entstanden ist. So wurden die Handlungsorte und das Design der Figuren dem Stil der TV-Serie angepasst. Dazu kommen die originale Musik von Ramin Djawadi und Gesichter und Stimmen der Schauspieler bekannter Figuren.
     An dieser Stelle sollte betont werden, dass das Spiel Game of Thrones nicht im Rahmen der Serie entstand, sondern es wurde bereits Jahre vor der TV-Serie mit der Entwicklung begonnen. Cyanide Studio und HBO hatten die Lizenzen getrennt erworben und erst später haben sich Beide vereint.

Die Spielgeschichte erzählt sich spannend und durch zahlreiche Zwischensequenzen wird das Gefühl vermittelt intensiv im Geschehen zu sein. Hierzu tragen, neben der musikalischen und lebhaften Sound Atmosphäre, ebenfalls die hervorragenden deutschen Sprecher bei. Es wurde sehr bei der Lokalisierung darauf geachtet, den Figuren aus der TV-Serie ihre entsprechende deutsche Stimme zu geben. Auf Wunsch ist es übrigens möglich zur englischen Sprachausgabe zu wechseln. Gleiches gilt für die Übersetzung von Namen und Orten, wo die aktuelle Romanübersetzung zur Grundlage genommen wurde. Schon Anhand der ausgeklügelten und tiefschürfenden Geschichte hebt sich das Spiel von einer üblichen Adaption ab. Gerade weil nichts Bekanntes, also Gesehenes oder Gelesenes erzählt wird, macht es Spaß diesen neuen Teil zu erfahren und wie er zur Haupthandlung passt. Schön ist ebenfalls, dass der Spieler nebenbei über die wichtigen Geschehnisse in Köngsmund und Winterfell informiert wird.

     Für die grafische Umsetzung wurde die Unreal Engine 3 verwendet, mit welcher ebenfalls die Gears of War und Mass Effect Reihen entwickelt wurden. Hintergründe und Texturen sind sehr schön und ebenso wie die Charaktermodelle sehr detailliert. Gerade bei den Figuren und deren Kostümen, Gegenständen und Waffen wird dies deutlich. Leider fallen aber auch oft Nebenfiguren auf, die etwas kantig wirken. Dazu fallen teils matschige, unscharfe und manchmal auch pixelige Texturen in Nahansichten auf, besonders zu sehen, wenn der Spieler als Mors Hund unterwegs ist und durch dessen Augen sieht. Dies bezieht sich auf die von mir gesehene und gespielte X-Box Version, die PC-Fassung zum Beispiel könnte später wegen leistungsstärkerer Hardware wesendlich bessere Texturen aufweisen.
     Die Charakteranimationen und ebenfalls die Zwischensequenzen in In-Game-Grafik sind flüssig und dynamisch, auch wenn hier und dort mal unnötige oder leicht übertriebene Bewegungen zu sehen sind. Dies fällt vermehrt bei den Dialogen auf.
     Erfreulich sind die übersichtlichen und gut strukturierten Menüs, ob nun bei den Charaktereinstellungen, dem Inventar oder dem Kampfsystem. Das Kampfsystem selbst mag auf dem ersten Blick gewöhnungsbedürftig sein, gerade weil Entscheidungen immer unter Zeitdruck geführt werden müssen, aber sobald man mit den Fertigkeiten und Fähigkeiten vertraut ist, geht alles schnell von der Hand.
     Game of Thrones ist für Einsteiger und erfahrene Rollenspieler geeignet. Es sollte nur bedacht werden, das es Ziel des Spiels ist, eine Geschichte zu erzählen, die der Spieler aktiv miterlebt, als wäre es ein Teil des ersten Romans.

Siehe auch: [Interview Game] Game of Thrones

Artikel in abgewandelter Form erstmals erschienen in: Nautilus - Abenteuer & Phantastik (Nr.99), www.fantasymagazin.de

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