Samstag, 10. März 2012

[Game Review] Lost Chronicles of Zerzura


Lost Chronicles of Zerzura
Auf der Spur einer Legende

Jeder hat eine Faszination für das Unbekannte und Unergründliche. Geheimnisse machen neugierig und dies ist die Hauptzutat für das Rezept zu einem guten Adventure Game. Schon mit Ihrer Black Mirror Mystery-Spiel-Reihe bewies Cranberry Production, das sie einen Hang zu ungewöhnlichen Geschichten haben. Gleiches gilt für das Mittelalter-Abenteuerszenario von bei Lost Chronicles of Zerzura.

      Die Geschichte spielt während der spanischen Inquisition im Jahre 1514. Die Gebrüder Feodor und Ramon Morales betreiben in Barcelona eine Erfinderwerkstatt und wollen mit einem Fluggerät einem gewissen Leonardo DaVinci Konkurrenz machen. Stets auf der Hut nicht von der Inquisition als Gottesslästerer im Namen der katholischen Kirche verhaftet zu werden und so das gleiche Schicksal wie ihre Mutter zu erleiden – dem Scheiterhaufen, testen sie abseits von Barcelona ihr Fluggerät. Sie wissen, dass laut der Kirche Gott das Fliegen nur für die Vögel vorgesehen hat.
Während der jüngere Feodor der Kreativkopf ist, begeistert sich Ramon für ägyptische Artefakte. Eines Tages nach einem nicht so gelungenen Flugexperimentes erscheinen in der Werkstadt Soldaten der Inquisition und verhaften Ramon. Das kann Feodor nicht zulassen und versucht ihn zu befreien mit der Folge fliehen zu müssen. Doch dank seiner neusten Erfindung einem frühen Heißluftballon entschwindet er den Häschern. Die letzten Worte Ramons hallen durch Feodors Kopf, wonach dessen Verhaftung mit dem Sammeln von Artefakten zu tun hatte, die im Zusammenhang mit der geheimnisvollen und verschollenen Wüstenstadt Zerzura stehen.
Feodors Ballonflug endet schließlich in einer ihm unbekannten spanischen Hafenstadt, die gerade von Korsaren angegriffen wird. Hier trifft er auf die hübsche Jamila, die ihn gefangen nimmt und auf das Korsarenschiff ihres Vaters Carlos verschleppt. Er gibt einen hübschen Sklaven ab, denkt sie sich. Leider wird das Schiff von einem der Inquisitoren grundlos angegriffen. Alle an Bord sterben, abgesehen von Jamila, die in einer brennenden Kajüte eingesperrt ist und Feodor, der im voll Wasser laufenden Frachtraum festsitzt. Zum Glück kann der erfinderische Feodor sich und die Korsarentochter befreien. Sie beschließen sich zu verbünden um Ramon zu befreien und Rache für den Tod von Jamilas Vater zu nehmen. Für Feodor ist dies mehr als nur die Suche nach Ramon und dem Geheimnis von Zerzura, denn er hat sich in Jamila verliebt. Eine Abenteuerreise von Malta bis nach Tripolis beginnt.
Lost Chronicles of Zerzura ist ein wunderschön umgesetztes Abenteuer-Adventure mit 3D Charakteren in einer Welt aus detaillierten gezeichneten 2D Hintergründen. Eingebettet in eine angenehme Sound und Musik Kulisse, sowie vertont mit hervorragenden Synchronsprechern, erwartet den Spieler eine tolle Atmosphäre.
Die Point & Klick Steuerung ist recht simpel und dank des sich rot färbenden Mousezeigers kann immer schnell erkannt werden, welche Objekte sich kombinieren oder verwenden lassen. Eine übersichtliche Hotspotanzeige verhilft zum überschauen, was von Interesse ist und was nicht. Hervorzuheben sind die kombinierbaren Hotspots, über die Umgebungsrätsel gelöst werden können, also zum Beispiel einen Schlauch vom Ofen mit dem Blasebalg zu verbinden. Diese Art von Rätsel gibt es nicht so häufig und verleiht dem Spiel einen erfrischenden Touch. Weiter gibt es zur Abwechslung kleine Minispielchen, um unter anderem die Tür zu Zerzura zu öffnen, welche passend eingesetzt werden und nicht aufgesetzt wirken. Dazu kommen auch die immer passenden Rätsel, die wunderbar die Story unterstützen. Weil Feodor ein Erfinder ist, wurde Augenmerk darauf gelegt, das in den Rätseln immer wieder mit physikalischen Eigenschaften gespielt wird. Grundsätzlich bleiben alle Rätsel logisch und mit ein wenig knobeln ist die Lösung nie fern.
Eindrucksvoll gelungen sind die mit leicht animierten Bildern erzählte Einleitung und Zwischensequenzen, welche mit wenigem viel Geschichte vermitteln. Dazu kommen Charaktere mit Hintergründen, die dem Spieler leicht an Herz wachsen und gut zueinander passen. Das zeigt sich schon allein durch das durchdachte Design, wie Jamilas Rückentattoo. Jedenfalls versteht man Feodor in seinen Handlungen gut und kann sich leicht in ihn hineinversetzen.
Das Spiel selbst ist nie unfair und sollte Feodor an den wenigen möglichen Stellen sterben, wird ein Autosave angelegt und über ‚Spiel fortsetzen’ kann dort sofort wieder eingestiegen werden. Ansonsten gibt es nur wenig zu beklagen. So sind während der Spielzwischensequenzen die Bewegungen der Figuren teils hölzern; zum Beispiel schaut Jamila manchmal grundlos in die falsche Richtung. Auch ist der Oberbösewicht, der Großinquisitor, farblos, weil er kaum zur Geltung kommt – abgesehen vom Finale. Nebenbei sei erwähnt, dass er vom großartigen Bernd Rumpf gesprochen wird (Deutsche Stimme von Liam Neeson).
Technisch ist Zerzura sehr sauber umgesetzt worden. Nach der Installation lässt es sich schnell laden und auch die Einstellungen wie die Monitoranpassungen geschehen zum größten Teil automatisch. Beeindruckend ist hier, dass das Wasser in den Hintergründen in Echtzeit gerendert wurde. Meist werden sonst dafür kleine Filme verwendet, doch diese neue Art kann sich sehen lassen.
     Zusammenfassend gesagt, gehört Lost Chronicles of Zerzura mit zu den großen deutschen Adventures und kann nur jedem an Herz gelegt werden. Mit sechs bis zwanzig Stunden Spielspass ist abenteuerliche Unterhaltung mit einem Hauch Romantik garantiert.

Siehe auch [Interview Game] Lost Chronicles of Zerzura 

Artikel in abgewandelter Form erstmals erschienen in: Nautilus - Abenteuer & Phantastik, www.fantasymagazin.de 

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